Im Einsatz gegen Corona: Feuerwehr-Führungsstab plant und koordiniert den Bau eines Corona-Zentrums in Heidenheim


Ort: Landkreis Heidenheim
Datum / Uhrzeit: 30.05.2020


HEIDENHEIM (sam) Die Welt hält buchstäblich den Atem an: Die globale Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 wurde am 11. März 2020 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer Pandemie erklärt. Etwa eine Woche zuvor wurde die erste Coronavirus-Infektion im Landkreis Heidenheim nachgewiesen. Aufgrund dessen hatte der Landkreis, die Stadt Heidenheim und das Klinikum Heidenheim vorausschauende Präventivmaßnahmen getroffen. Am 22. März hatte Landrat Peter Polta den Feuerwehr-Führungsstab des Landkreises einberufen und diesen mit der Planung und Umsetzung eines Corona-Zentrums im zum Heidenheimer Klinikum benachbarten Congress Centrum beauftragt. Binnen weniger Stunden nahm der Stab unter der Leitung von Uli Steeger, 1. Stellvertreter des Kreisbrandmeisters, in der Heidenheimer Feuerwache seine Arbeit auf.

Wie das Landratsamt Heidenheim am 27. März 2020 in einer Pressemitteilung bekanntgab, hatten die Verantwortlichen des Landkreises im Hinblick auf ausreichende Behandlungskapazitäten von Covid-19 Patienten bereits einen Schritt weitergedacht: Auf Initiative des Landrates hatte man gemeinsam mit der Stadt Heidenheim, mehreren Feuerwehreinheiten aus dem Kreis und anderen Hilfsorganisationen Ende März im Congress Centrum in Heidenheim eine zum Kreiskrankenhaus zusätzliche Versorgungseinrichtung für den Notfall geschaffen. Die Regie hatte hierbei der Feuerwehr-Führungsstab des Landkreises. Beratend stand diesem stets das zuständige Fachpersonal der Klinik zur Seite. Als Bindeglied zwischen dem Stab, der Stadt Heidenheim und dem Landratsamt, fungierten Heidenheims Kommandant Rainer Spahr und Kreisbrandmeister Michael Zimmermann.

Bereits fünf Tage nach der Einberufung des Stabes, der im Tagesdienst arbeitete, konnte das Corona-Zentrum in den Stand-by-Modus gehen. Doch zuvor waren umfassende Planungen und zahlreiche organisatorische, aber auch logistische Maßnahmen notwendig. Oberste Priorität hatte dabei immer der bestmöglichste Virenschutz für Patient und Personal sowie optimale Pflege und Betreuung der betroffenen Patienten.

365 Stunden in 5 Tagen: Corona-Zentrum mit 84 Betten in Rekordzeit errichtet

Im ersten Schritt mussten im Veranstaltungssaal des Congress Centrums rund 42 Kabinen mit Hilfe von Bauzäunen errichtet werden. Eine verschweißte Schutzfolie sorgte hierbei für die Trennung. Bei zwei Behandlungsplätzen pro Kabine stehen somit rund 84 Betten zur Verfügung. In jeder Kabine fanden zwei Betten, zwei Stühle und zwei Tische Platz. Weiter beschaffte man mehrere Hundert Einmalkissen und Decken. Selbst medizinische Details innerhalb der Kabinen flossen in die Konzeption mit ein: So montierten Feuerwehrleute eine Holzkonstruktion, wo Infusionen angebracht werden können. Für die Stromversorgung der Kabinen sorgten Haustechniker des Congress Centrums, die darüber hinaus den Führungsstab das ganze Projekt über unterstützten.

Neben einer Logistikstrategie und diversen Verpflegungsvarianten für Patienten bei einer möglichen Inbetriebnahme, plante man diverse Abläufe, die mit nur wenigen Stunden Vorlaufzeit den Betrieb der Versorgungseinrichtung möglich machen. Sowohl eine Entsorgungsstrategie für medizinischen und sonstigen Müll sowie ein Konzept zur Reinigung von Bekleidungen des medizinischen Personals, als auch den Brandschutz und die Objektsicherung durch eine Sicherheitsfirma sah die Planung vor. Aber auch in Sachen Schwarz-Weiß-Trennung hat der Stab umfassende Maßnahmen getroffen: So wurden Bereiche, Laufwege und Räumlichkeiten innerhalb des Congress Centrums nach sauberen und unsauberen Zonen unterteilt. Ziel war es hierbei immer, die Hygiene auf dem höchst möglichen Standard zu halten und eine Vermeidung von Kontaminationen sicherzustellen.

Ein speziell abgegrenzter Außenbereich und ein Aufenthaltsbereich mit einer Multimedialeinwand dienen den Patienten zur Abwechslung.

In den darauffolgenden Tagen installierte eine Spezialfirma auf dem Außengelände einen Sauerstofftank, von welchem aus über ein Rohrsystem 84 Behandlungsplätze mit dem für Covid-19 Patienten so wichtigen Sauerstoff versorgt werden.

Erweiterung um weitere 54 Betten

Nachdem eine umfängliche Erstversorgung von Covid-Patienten nun möglich war, erhielt der Stab vom Krisenstab des Landratsamtes einen weiteren Arbeitsauftrag. In einer anderen Ebene des Gebäudes sollten ein kleiner Saal, das Foyer und die Empore des großen Saales zu weiteren 54 Patientenplätzen ertüchtigt werden. Dieser Bereich kann im Notfall absolut autark zum Covid-Bereich im großen Saal betrieben werden, da eine sehr gute räumliche Trennung mit eigenen Zu- und Abgängen besteht. Ein separater Personal- und Hygienebereich ist hier ebenfalls vorhanden.

Nach der Erweiterung folgten zahlreiche Schulungen und Begehungen in Kleingruppen mit insgesamt 100 Teilnehmern von Ärzten, Klinikpersonal, DRK-Helfern und sonstigen Freiwilligen. Das für den Bedarfsfall vorgesehene Personal erhielt dabei eine Einweisung in die Örtlichkeiten, die Abläufe sowie das An- und Ablegen der Schutzkleidung und Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz.

Einsatzbereitschaft der Feuerwehren und Logistikkonzept im Fokus

Neben der Planung und der Koordination des Corona-Centrums stand für den Führungsstab unter der Leitung des 2. stellvertretenden Kreisbrandmeisters Hans-Frieder Eberhardt aber auch die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der Landkreisfeuerwehren im Fokus: Die eingeleiteten Maßnahmen seien in erster Linie Vorkehrungen, die das Sicherheits- und Hilfeleistungsnetzwerk schützen und die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren sicherstellen. Primär soll durch die Maßnahmen erreicht werden, mögliche Infektionsketten innerhalb der dezentralen Feuerwehrstrukturen zu unterbinden und eine Verbreitung auf die Gesamtorganisation der Feuerwehren zu verhindern. Die Erarbeitung und Ausführung eines Logistikkonzeptes zur Verteilung von Schutzausrüstung an Pflegeeinrichtungen im Landkreis, erarbeiteten die Stabsmitglieder in Kleingruppen im abendlichen Dienst.

Landkreis Heidenheim gut vorbereitet

Wie es in der Pressemitteilung des Landratsamtes Heidenheim hieß, wird das Corona-Zentrum vorerst im Stand-by-Modus bleiben. Voraussetzung der Inbetriebnahme sei, dass im Klinikum die Behandlungskapazitäten nicht mehr ausreichen. Landrat Peter Polta dankte in einer Pressekonferenz dem Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim und Hausherrn des Congress Centrums Bernhard Ilg, für den es eine Selbstverständlichkeit war, diese städtische Einrichtung für diesen humanitären Zweck zur Verfügung zu stellen und für den Aufbau und Instandsetzung der Liegenschaft als Versorgungszentrum zu sorgen. „Die aktuelle Lage trifft und betrifft uns alle gleichermaßen. Nur wer zusammensteht, kann der Situation Herr werden. Keiner weiß was morgen ist und deshalb ist es so entscheidend, schnell handlungsfähig zu bleiben“, so Bernhard Ilg zur Inbetriebnahme der Ausweichoption. Sein Herzenswunsch sei es, diese Betten nie belegen zu müssen.

Auch allen weiteren Akteuren, Hilfsorganisationen und sonstigen Ehrenamtlichen, die mit ihrer kurzfristigen konzeptionellen Planung die Umsetzung der baulichen Maßnahmen und die Zurverfügungstellung der medizinischen Ausstattung realisiert haben, dankte Polta ausdrücklich.„Natürlich schauen wir jetzt gespannt auf die weiteren Entwicklungen. Mit dem Congress Centrum in unmittelbarer Nachbarschaft des Klinikums und der Corona-Ambulanz haben wir uns aber rechtzeitig und bestmöglich vorbereitet“, so Polta.


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